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Íkala, Revista de Lenguaje y Cultura

Print version ISSN 0123-3432

Íkala vol.15 no.25 Medellín May/Aug. 2010

 

ARTÍCULOS DE INVESTIGACIÓN

 

Partielle koreferenz im Spanischen als Problem der Grammatik, Lehre und Übersetzung*1

 

Partial co-reference in Spanish as a grammar, teaching and translation problem.

 

 

Carsten Sinner**


** Prof.Dr.CarstenSinner.InstitutfürAngewandteLinguistikundTranslatologie. Universität Leipzig. www.carstensinner.de. E-mail: sinner@uni-leipzig.de

 


ZUSAMMENFASSUNG

Ziele: Untersuchung der partiellen Koreferenz im Spanischen und Deutschen aus der Perspektive der Grammatik, der Fremdsprachenlehre und der Translatologie.
Methode: Nach einerAnnäherung an die Deskription der partiellen Koreferenz als Phänomen der Sprachen im Allgemeinen wird die partielle Koreferenz im Spanischen untersucht. Dabei werden frühere Beschreibungsversuche berücksichtigt und die Kontexte und Strukturen betrachtet, in denen diese Konstruktion als grammatikalisch oder akzeptabel gilt.
Ergebnisse: Nach einem Versuch der Erklärung der Restriktionen der Konstruktion im Spanischen wird die Position der spanischen Norm dargelegt und die Bedeutung der Struktur und der Umgang mit ihr im Spracherwerb des Spanischen, in der Kontrastiven Linguistik und insbesondere in der Übersetzung betrachtet.

Schlüsselwörter: Partielle Koreferenz, Spanisch, Akzeptabilität und Grammatikalität, Übersetzung, Norm


RESUMEN

Objetivo: analizar el papel de la correferencia parcial en español y en alemán desde la perspectiva de la gramática, la enseñanza de lenguas extranjeras y de la translatología.
Método: tras un acercamiento a la descripción de la correferencia parcial como fenómeno de las lenguas en general, ésta se analiza en español, teniendo en cuenta los intentos anteriores de descripción y determinando los contextos y las estructuras en los que se considera gramatical o aceptable esta construcción.
Resultados: después de explicar las restricciones que presenta la estructura española, se trata la posición que ha adoptado la norma española.
Conclusión: se indaga por la importancia de la estructura y en su tratamiento en la adquisición del español, en la lingüística contrastiva y, particularmente, en la traducción.

Palabras clave: correferencia parcial, español, aceptabilidad y gramaticalidad, traducción, norma


ABSTRACT

Objective: To analyze partial co-reference in Spanish and German from the perspectives of grammar, language teaching and translation studies.
Method: after approaching the description of partial coreference as a phenomenon in languages in general, partial co-reference in Spanish and German is analysed, taking into account earlier attempts to describe or explain the structure and determining the contexts and structures in which the construction is judged grammatical or acceptable.
Results: after an attempt to explain the restrictions of partial co-reference in Spanish and German, the normative position is presented.

Key words: Partial co-reference, Spanish, acceptability and grammaticality, translation, norm


RÉSUMÉ

Objectif : analyser le rôle de la coréférence partielle en espagnol et en allemand depuis la perspective de la grammaire, de l'enseignement de langues étrangères et de la traductologie.
Méthode: après une approche de la description de la coréférence partielle en tant que phénomène de langues en général, l'on analyse la coréférence partielle en espagnol, en tenant compte des tentatives antérieures de description et en déterminant les contextes et les structures dans lesquels cette construction est considérée comme grammaticale ou acceptable.
Résultats: Après avoir expliqué les restrictions que présente la structure espagnole, l'on aborde la position adoptée par la norme espagnole.
Conclusion: on explore l'importance de la structure et son traitement dans l'acquisition de l'espagnol, en linguistique contrastive et, particulièrement, en traduction.

Mots-clés: coréférence partielle, espagnol, acceptabilité et grammaticalité, traduction, norme


 

 

1. EINLEITUNG: DAS PROBLEM DER KOREFERENZ

In der Sprachwissenschaft gilt die partielle Koreferenz als kompliziert, und sie ist als Sonderfall der Inklusion auch in generativen Ansätzen als besonderes Problem erkannt worden (s. bereits Lasnik 1989a, 1989b). In der hispanistischen Linguistik ist sie selten, nicht erschöpfend und kaum überzeugend behandelt worden (García Calvo 1973, [1974] 1990, Sánchez López 1999, Ramírez Gelbes 2008). Von partieller Koreferenz spricht man in der Sprachwissenschaft, wenn ein Nominalsyntagma im Plural einen Bestandteil beinhaltet, auf den ein anderes, im Singular stehendes Nominalsyntagma verweist. Koreferenz heißt also ''Bezugnahme auf dasselbe''. Zwei Ausdrücke, etwa eine Nominalphrase und ein Pronomen in einem Satz, referieren auf dieselbe Entität; es handelt sich also um eine syntaktische Bindung. Manche Autoren sprechen auch von inklusiver Koreferenz, da ein Referent im Singular (incluido) im Referenten im Plural (incluyente) enthalten ist (s. García Calvo 1973, Ramírez Gelbes 2008).

Bei partieller Koreferenz muss gemäß Prinzip C der Bindungstheorie immer ein Pronomen beteiligt sein, da die R-Ausdrücke (Nichtpronomen) keinen Ausdruck mit demselben referentiellen Index (Antezendens) haben können bzw. weder lokal noch nichtlokal gebunden sind (cf. Philippi 2008: 141–143).2

Wichtig ist im Zusammenhang mit der Diskussion der partiellen Koreferenz die Frage der Grammatikalität und derAkzeptabilität. Chomsky führte den Terminus der Grammatikalität für die Ebene der competence, den der Akzeptabilität für den der performance (s. Chomsky 1970: 12) ein.3 Akzeptabel wäre dann all das, was für den Sprecher normal, natürlich und in keiner Weise auffällig ist; die 'möglichen'Sätze, also jene, die mit höchster Wahrscheinlichkeit auftreten, wären grammatikalisch (1957: 16–17). Zweifellos gibt es jedoch Äußerungen, die zwar völlig grammatikalisch, aber für die Sprecher praktisch nicht akzeptabel sind, da die Skalen der Grammatikalität und derAkzeptabilität nicht übereinstimmen. Die Akzeptabilität einer sprachlichen Äußerung betrifft ihre durch einen – normalerweise – kundigen Sprecher beurteilte bzw. beurteilbareAnnehmbarkeit im Sprachgebrauch. Wesentlich ist, dass dieAkzeptabilitätskriterien sprachlicher Äußerungen nicht notwendigerweise mit den in einem Grammatikmodell formulierten Kriterien für die Grammatikalität sprachlicher Einheiten übereinstimmen müssen. Eine in einem Grammatikmodell als grammatikalisch angesehene Einheit kann in der Sprachverwendung inakzeptabel sein, wogegen durch ein Grammatikmodell als ungrammatikalisch klassifizierte Einheiten im Sprachgebrauch durchaus akzeptabel sein können. Grammatikalität ist – im Gegensatz zur Sprecherurteile reflektierendenAkzeptabilität – theoriegebunden. Im Hinblick auf die Frage der partiellen Koreferentialität ist anzumerken, dass seit Mitte der 1990er Jahre die Akzeptabilität und Grammatikalität sprachlicher Äußerungen zunehmend als gradierte Größen aufgefasst werden.

Es handelt sich also um eine Unterscheidung, die auf zwei unterschiedliche Perspektiven abhebt: einerseits auf die Grammatik entweder im Sinne einer präskriptiven Grammatik wie Duden, Wörterbuch oder Grammatik der Real Academia Española oder auch im Sinne eines bestimmten Grammatikmodells, andererseits auf die deskriptive Ebene, die Feststellung oder Darstellung dessen, was die Sprecher tatsächlich tun oder eben nicht tun oder nicht tun würden.

Diese Unterscheidung ist essentiell, da Äußerungen wie ''das kann man nicht sagen'', ''das ist falsch'' oder ''das ist unmöglich'' immer im Hinblick auf eine bestimmte Instanz, auf eine als normal oder als Norm angesehene Ebene zu sehen sind. Mehrere Linguisten mit spanischer Muttersprache, die von uns über die Pronomen und ihre tatsächliche oder vermeintliche Inkompatibilität, also die (Un)Möglichkeit der partiellen Koreferenz, befragt wurden, antworteten, dass bestimmte Konstruktionen nicht möglich seien, obwohl wir ihnen Beispiele aus Korpora des gesprochenen Spanisch gezeigt hatten. Es ging in ihren Aussagen also nicht um die Möglichkeit im Usus, sondern offensichtlich um das, was im jeweils gebrauchten oder als gültig angesehenen Grammatikmodell – in diesem Fall war es die Rektions- und Bindungstheorie – nicht möglich ist. Dass Sprecher etwas sagen oder schreiben, was dem Grammatikmodell nicht entspricht, ist keine Ausnahme, aber dass Grammatiker etwas ablehnen, weil sie es nicht erklären können, ist bemerkenswert.

Die partielle Koreferenz hat, syntaktisch gesehen, zwei mögliche Formen. Dies soll durch die Beispiele (1) und (2) illustriert werden, die in ähnlicher Form in Sinner (2005) bereits für das Spanische behandelt werden.

 

 

2. KOREFERENZ IM SPANISCHEN

Partielle Koreferenz ist offensichtlich ein Phänomen, das die Muttersprachler des Spanischen, so sie darauf aufmerksam gemacht werden, zwar fasziniert, das sie sich aber teilweise nur schwer vorstellen können. García Calvo (1973) hat versucht, Koreferenz mit Zeichnungen für seine spanischsprachigen Leser nachvollziehbar zu machen. Die Illustrationen helfen dabei allerdings nur in Grenzen. In Abbildung 1 versucht der Autor bildlich darzustellen, wie eine Szene in einem Roman zu verstehen sein könnte, in dem die Autorin berichtet, wie sie sich und einen Begleiter im Spiegel betrachtet.

 

 

In Abbildung 2 versucht er, die Relation zwischen dem Gesagten und dem Sprecher mit einem Vergleich mit Spiegeln zu erklären – das Gesagte widerspiegele sozusagen das Gedachte –, um die Reflexivität zu erläutern.

 

 

Partielle Koreferenz ist im Spanischen prinzipiell möglich, wenn dasjenige Nominalsyntagma, das im Hinblick auf die Referenz vom anderen abhängt, ein betontes Pronomen ist:

  1. a. yoi sólo puedo contar con nosotrosi+j(+...)
    'ich kann nur mit uns rechnen/nur auf uns zählen'
    b. nosotrosi+j(+...) sólo podemos contar conmigoi
    'wir können nur mit mir rechnen/nur auf mich zählen'
  2. a. proi he comprado la tarta para nosotrosi+j(+...)
    'ich habe den Kuchen für uns gekauft'
    b. proi+k(+...)hemos comprado la tarta para míi
    'wir haben den Kuchen für mich gekauft'

Dabei ist es irrelevant, ob die Pronominalphrase mit dem betonten Pronomen obligatorisch (4a und 4b) oder fakultativ (5a und 5b) ist. Bei unbetonten Pronomen stellt sich die Lage jedoch etwas anders dar; ist nämlich das zweite Nominalsyntagma, das im Hinblick auf die Referenz vom ersten abhängt, ein unbetontes Pronomen, so ist die partielle Koreferenz in manchen Fällen offenbar nicht unzweifelhaft möglich bzw. wird von der Mehrheit der Sprecher zurückgewiesen.4 So gelten der mageren einschlägigen Literatur zufolge Strukturen wie die folgenden als ungrammatikalisch:

  1. a. (*) proi nosi+j(+...) hice un café
    'ich machte uns einen Kaffee'
    b. (*) proi+j(+...) mei hicimos un café
    'wir machten mir einen Kaffee'
  2. a. (*) proi nosi+j(+...) compré las entradas
    'ich kaufte uns die Eintrittskarten'
    b. (*) proi+j(+...) mei compramos las entradas
    'wir kauften mir die Eintrittskarten'

Die Verben votar und comprar illustrieren das unterschiedliche Funktionieren von unbetonten (klitischen) Pronomen und betonten Pronomen sehr eindrücklich: Beide Verben erlauben die Realisierung eines Arguments bzw. zweier Argumente mit einer ähnlichen thematischen Rolle als Klitika oder als Pronominalsyntagma mit betontem Pronomen:

  1. a. proi voté por nosotrosi+j(+...)
    'ich stimmte für/wählte uns
    b. proi+j(+...)votamos por míi
    'wir stimmten für/wählten mich'
  2. a. (*) proi nosi+j(+...) voté
    'ich stimmte für/wählte uns'
    b. (*) proi+j(+...) mei votamos
    'wir stimmten für/wählten mich'
  3. a. proi he comprado esta tarta para nosotrosi+j(+...)
    'ich habe diesen Kuchen für uns gekauft'
    b. proi+j(+...) hemos comprado esta tarta para míi
    'wir haben diesen Kuchen für mich gekauft'
  4. a. (*) proi nosi+j(+...) he comprado esta tarta
    'ich habe uns diesen Kuchen gekauft'
    b. (*) proi+j(+...) mei hemos comprado esta tarta
    'wir haben mir diesen Kuchen gekauft'

In den Beispielen (8) und (9) erscheint das thematische Argument als präpositionale Ergänzung oder als Akkusativobjekt, was sich unmittelbar auf die Wahl von betontem oder unbetontem Pronomen und damit auf die Möglichkeit des Ausdrucks von partieller Koreferenz auswirkt. Mit den betonten Pronomen nosotros und in (8) ist somit die Koreferenz möglich, wogegen sie es in (9) mit den unbetonten Pronomen nos und me nicht wäre, sofern man die Markierung * als (einzige) korrekte Sicht versteht, also davon ausgeht, dass es sich um ungrammatikalische Strukturen handelt. Anzumerken ist hier, dass die Struktur SINGULARi PLURALj+k(+...) in (8a) annehmbarer erscheint als PLURALi+j(+...) SINGULARi in (8b). Angesichts der Unterschiede zwischen den Beispielen (8) und (9) einerserseits und (10) und (11) andererseits liegt es nahe, davon auszugehen, dass die anscheinende (aber nicht von allen Sprechern so gesehene) Inkompatibilität von unbetonten Pronomen und Strukturen partieller Koreferenz, also die (anscheinend vorliegende) Unmöglichkeit der Präsenz von unbetonten Pronomen in Strukturen partieller Koreferenz mit dem besonderen Status der Klitika in der spanischen Grammatik zu erklären ist. Dies würde dann bedeuten, dass diese Restriktion, so es sie wirklich gibt, nichts mit den in der Rektions- und Bindungstheorie aufgestellten Bindungsbeschränkungen bzw. -prinzipien für Pronomen zu tun hat.

Es gibt aber noch eine Reihe von Fällen, in denen auch bei nicht betonten Pronomen partielle Koreferenz ganz offensichtlich möglich ist. Als Beispiele sollen (12) und (13) dienen. In beiden Fällen findet sich ein unbetontes Pronomen in einer Struktur partieller Koreferenz, also genau der Struktur, die am Beispiel von (8) und (9) für unbetonte Pronomen eigentlich ausgeschlossen wurde:

  1. proi nosi+j(+...) veo demasiado cansados como para ganar.
    'ich halte uns für zu müde, um zu gewinnen'
  2. Todosi+... mei vimos en la película.
    'wir alle haben mich in dem Film gesehen'

Tatsächlich findet man diese partielle Koreferenz mit unbetonten Pronomen in mindestens fünf unterschiedlichen Strukturen:

  1. mit den Verben der Wahrnehmung (ver, sentir, notar);
  2. mit den Verben der Einschätzung oder Beurteilung (considerar, creer, tener por, ver im Sinne von 'einschätzen');
  3. mit den Verben der Vorstellung bzw. der mentalen Repräsentation; mitunter findet man im Spanischen die Bezeichnung verbos creadores de mundos 'Verben der Erschaffung einer Welt', mit Verben wie imaginar, suponer usw., womit aber offenbar auch die Verben der mentalen Repräsentation gemeint sind bzw. wo sich diese Kategorien zumindest überschneiden, so wie auch teilweise Überschneidungen mit den Verben der Einschätzung – vgl. (18) und (19) – festgestellt werden können.
  4. mit den Verben der Schaffung von Bildern (nach Levin 1993, deren Unterteilung 49 Klassen von Verben umfasst, darunter die Image Creation Verbs, zu denen sie die Verbs of Image Impression, Scribble Verbs, Illustrate Verbs und Transcribe Verbs zählt). In diese Klasse gehören m. E. Verben wie retratar 'portraitieren, malen'.
  5. in kausativen Strukturen.

Einige Beispiele werden nachfolgend aufgeführt.

a. Wahrnehmungsverben

  1. No nos vi en la película que se grabó en la fiesta.
    'ich hab uns in dem Video, das auf dem Fest gemacht worden ist, nicht gesehen'
  2. En esta foto no nos veo.
    'auf dem Foto hier sehe ich uns nicht'

b. Verben der Einschätzung oder Beurteilung

  1. nos considero incapaces de terminarlo.
    'Ich halte uns für unfähig, es fertigzustellen'
  2. no nos creo capaces de realizarlo en el plazo previsto.
    'Ich halte uns nicht für fähig, das innerhalb der gegebenen Frist zu machen'
  3. Nos imaginaba mejor preparados.
    'ich hielt uns für besser vorbereitet'
  4. Me imaginábamos ya ganador.
    'wir haben uns mich schon als Sieger vorgestellt'

Die Struktur in (16) wird von García Calvo (1990: 124) zusammen mit anderen Verben mit dem Kommentar ''prohibido construir'' abgelehnt.

c. VerbenderVorstellungbzw.derSchaffungeinesimaginärenRaumes5

  1. Ya nos veo con el cochazo que vamos a ganar.
    'ich sehe uns schon mit dem Superschlitten, den wir gewinnen werden'
  2. Todavía nos veo con estos terribles pantalones de campana... ¡Eso fue en 1973!
    'ich sehe uns noch mit diesen schrecklichen Schlaghosen ... Das war 1973!'

d. Verben der Schaffung von Bildern

  1. Nos voy a retratar cenando en el jardín.
    'ich werde uns portraitieren, wie/während wir im Garten zu Abend essen'
    García Calvo (1990: 124) lehnt diese Konstruktion ab: ''en español, con las llamadas Primeras Personas, está prohibido construir [...] frases como: Nos voy a retratar cenando en el jardín. [...]''.

e. kausative bzw. faktitive Strukturen

  1. Nos hice perder.
    'ich ließ uns verlieren/wegen mir haben wir verloren'
  2. Me hicimos pasar por mayor de edad.
    'wir taten so, als wäre ich volljährig/wir haben mich als volljährig durchgehen lassen'

Diesen Strukturen ist gemeinsam, dass das unbetonte Pronomen nicht Argument des Verbs ist, das seinen Kasus markiert, sondern Argument des in der Baumstruktur weiter unten stehenden Prädikats.

Es handelt sich somit eher um Strukturen mit exzeptioneller Kasusmarkierung. Die partielle Koreferenz ist mit einem unbetonten Pronomen also möglich, wenn das unbetonte Pronomen nicht Argument des Verbes ist, das seinen Kasus markiert. Eine weitere Restriktion betrifft die unbetonten Pronomen der dritten Person, die offenbar grundsätzlich nicht in Strukturen partieller Koreferenzialität auftreten können.

  1. a. (*) proi lesi+j hizo un café 'er/sie machte ihnen einen Kaffee'
    b. (*) proi+j lei hicieron un café 'sie machten ihm/ihr einen Kaffee'
  2. a. (*)proi losi+j vio en la película 'er/sie hat sie in dem Film gesehen'
    b. (*) proi+j loi imaginaban más listos 'sie haben ihn für schlauer gehalten'

Die Beispiele in (25) werden ebenso wie die unter (9) und (11) meist als ungrammatikalisch angesehen. Interessant ist nun der Unterschied zwischen den beiden Beispielen in (26). In den Beispielen (14) bis (24), allesamt Strukturen mit exzeptioneller Kasusmarkierung und mit einem unbetonten Pronomen in der ersten Person Singular oder Plural, scheint die partielle Koreferenz kein Problem darzustellen (um nicht zu sagen: nicht ungrammatikalisch zu sein), in (26) dagegen ist sie völlig ausgeschlossen. Nicht einer unserer muttersprachlichen Informanten interpretierte den Satz Los vio en la película im Sinne der Struktur <proi losi+j(+...) vio en la película>, sondern alle interpretierten den Satz im Sinne der Struktur <proi losj+k(+...) vio en la película>.

Auch im Falle der anaphorischen Pronomen ist die partielle Koreferenz (wie im Deutschen, s. u.) offensichtlich völlig ausgeschlossen:6

  1. a. *proi sei+j(+...) hizo un café 'er/sie machte sich [Pl.] einen Kaffee'
    b. *proi+j(+...) sei hicieron un café 'sie machten sich [Sg.] einen Kaffee'
  2. a. *proi sei+j(+...) vio en la película 'er/sie sah sich [Pl.] in dem Film'
    b. *proi+j(+...) sei imaginaban más listos 'sie hielten sich [Sg.] für schlauer'

Mit den betonten Pronomen der dritten Person dagegen ist die partielle Koreferenz wiederum möglich:

  1. a. proi lo compró para ellosi+j(+...) 'er/sie kaufte es für sie'
    b. proi+j(+...) lo compraron para éli 'sie kauften es für ihn'

Im Deutschen ist die partielle Koreferenz aus Sicht der Sprecher sozusagen ''völlig unproblematisch'' und grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Wenn ein Junge mit seiner Mutter zum Sportverein gegangen ist, um von ihr in der Leichtathletikgruppe angemeldet zu werden, kann er danach seiner Schwester berichten:

  1. Muttij und ichi waren heute beim Sportverein. Wiri+j haben michi angemeldet.
    Die Schwester könnte antworten:
  2. Na endlich, ihri+j wolltet dichi doch schon letzten Monat anmelden!

Das ist völlig unauffällig und wird von den Muttersprachlern des Deutschen nicht als ungrammatikalisch abgelehnt. Dies gilt in allen möglichen Zusammenhängen und ist nicht auf bestimmte Klassen von Verben beschränkt und entsprechend auch in Fällen wie (32) möglich.

(32) Ichi sehe unsi+j im Spiegel.

Spanischsprachige Lernende des Deutschen sind angesichts dieser Struktur im Deutschen in der Regel erstaunt. Im Deutschen sind derartige Konstruktionen durchgehend sowohl grammatikalisch als auch akzeptabel. Im Spanischen ist das also anders; die meisten der Strukturen partieller Koreferenz, die im Deutschen normal bzw. unauffällig sind, werden von Spanischmuttersprachlern als inakzeptabel abgelehnt. Wie wir noch sehen werden, lehnt die präskriptive Grammatik – neuerdings, wie man sagen muss – eine Reihe der Strukturen mit partieller Koreferenz als ungrammatikalisch ab.

 

3. KOREFERENZ IM SPANISCHEN: BESCHREIBUNG UND PRÄSKRIPTION

Auf der Suche nach Erklärungen dafür, dass Spanischmuttersprachler partielle Koreferenz potentiell eher ablehnen bzw. diese Konstruktion im Spanischen offenbar weniger annehmbar als im Deutschen bzw. offenbar zum Teil ungrammatikalisch ist, wird man in der Literatur kaum fündig. Muller (1985) behandelt das Phänomen im Französischen und spricht von einem problème d'acceptabilité, von pronoms incompatibles und einer blocage der Kombination von Pronomen und NP. Mit dem Phänomen im Spanischen haben sich bisher lediglich García Calvo 1973 und 1974 [1990], aktuell Ramírez Gelbes (2008) auseinandergesetzt. García Calvo (1973) ist vor allem deswegen nennenswert, weil es sich wohl um den ersten Beitrag handelt, in dem das Thema der partiellen Koreferenz im Spanischen ausführlich behandelt wird. Bemerkenswert ist dabei v. a. der Versuch der Visualisierung der jeweiligen Bezüge anhand von Beispielen wie den in (33), (34) und (35) gegebenen Strukturen in den Abbildungen 3, 4 und 5.

  1. Se muerde la cola.
    'er beißt sich in die Schwanzflosse'
  2. Le muerde la cola.
    'er beißt ihn in die Schwanzflosse'
  3. Se muerde(n) la cola.
    'sie beißen ihn [und gleichzeitig er sich] in die Schwanzflossen' usw.

Bemerkenswert ist, dass er hier die 3. Person mitberücksichtigt, die sich ganz anders als die Reihen der 1. und 2. Person Singular und Plural verhält (in der 3. Person liegt aufgrund des Zusammenfalls von le und se ein besonderes Problem vor; s. u.). García Calvo (1973) führt die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten von Subjekt im Singular oder Plural und Personal-bzw. Reflexivpronomen auf, illustriert aber nur die Situation in der 3. Person Singular und Plural.7 Interessanter sind rein von der Frequenz her die auch Dialogpronomen (Muller 1985) genannten Pronomen der ersten und zweiten Person, die auf die an einem Gesprächsakt teilhabenden Personen referieren (s. Sinner 2005).

Die Bilder sind niedlich, aber sie illustrieren nur, was inWorte zu fassen schwierig ist. Muttersprachler des Deutschen, die sich mit Spanischmuttersprachlern über den Unterschied zwischen ich mache uns einen Kaffee und ich mache einen Kaffee für uns unterhalten wollen, werden das Unverständnis von Seiten der Spanischmuttersprachler schlecht nachvollziehen können, da sie die Struktur so genau kennen und sich nicht einmal vorstellen können, ohne sie auszukommen; umgekehrt ist es für die Muttersprachler des Spanischen zum Teil schwer nachzuvollziehen, wo die Unterschiede liegen, wenn es um Inklusion und Exklusion einer Person in eine bzw. aus einer Gruppe – oder, wie hier illustriert, eines Fischs in einen oder aus einem Fischschwarm – geht.

 

 

 

 

Wie an anderer Stelle schon aufgezeigt wurde (Sinner 2005), gibt García Calvo keine authentischen spanischen Belege und gesteht explizit ein, nicht systematisch danach gesucht zu haben (1973: 293). Es ist sehr aussagekräftig, dass die einzigen nicht konstruierten Beispiele des Autors zum Nachweis der infracciones – Normverstöße – der Art *nos amo 'ich liebe uns' aus dem Französischen stammen! Einerseits ist es absurd, die Grammatikalität oder Akzeptabilität einer Struktur in einer Sprache mit Belegen aus einer anderen Sprache zu illustrieren (s. u.). Andererseits zeigte Muller (1985, 1986), dass sich partielle Koreferenz im Französischen auch in der Literatur8 findet und von den Sprechern keineswegs grundsätzlich abgelehnt wird, sondern bestimmte Strukturen – und darunter gerade je nous fais ... – zumindest zum Teil als annehmbar angesehen werden (s. u.). Die Urteile über die vermeintliche Ungrammatikalität – García Calvo spricht von ''peculiar interdicción'' (1973: 270), ''prohibición'' und ''sintagmas prohibidos'' oder ''inadmisibles'' (1973: 271) – sind somit subjektive Sprecherurteile, die einzig mit der Introspektion und Intuition des Autors und mit dem von ihm erworbenen Sprachbewusstsein zu erklären sind (Sinner 2005).

In einer 1974 folgenden resümierenden ''descripción gramatical de los hechos'' (García Calvo [1974] 1990: 123) erwartet man nach dem Titel eine Auseinandersetzung mit Strukturen wie me amamos 'wir lieben mich' auf spanisch, im Wesentlichen handelt es sich jedoch um eine Diskussion französischer und englischer Beispiele. Um so bemerkenswerter ist dann, dass in der bedeutendsten Grammatik des Spanischen des letzten Jahrzehnts, in der Gramática descriptiva de la Lengua Española von 1999, die Autorin des einzigen Artikels, in dem die partielle Koreferenz berücksichtigt wird, Sánchez López (1999), sich als einzige spanische Quelle auf García Calvo ([1974] 1990) beruft – und zwar neben einer Referenz auf Lasnik9 , der sich mit asiatischen Sprachen auseinandersetzt –, wenn sie feststellt, es sei offenbar ein allgemeingültiges10 Prinzip der Grammatik, die Möglichkeit auszuschließen, dass das Prädikat einen mit dem Subjekt partiell koreferentenAusdruck enthalte. Letzteres illustriert sie mit den Beispielen ''*Nos compré las entradas para el teatro.'' und ''*Vosotros siempre te habéis admirado mucho.'' (Sánchez López 1999: 1072–1073). Abgesehen davon, dass das zweite Beispiel pragmatisch unsinnig ist, weil man zwar eingebildet sein, sich aber nicht selbst bewundern kann, ist dieser Artikel auch ein prägnantes Beispiel dafür, wie absurd die Übertragung von Beispielen für eine bestimmte Auffassung von Grammatik aus einer Sprache auf andere Sprachen sein kann, denn der von Sánchez López zitierte Lasnik arbeitet zum Vietnamesischen und Thailändischen und setzt sich mit dem als ungrammatikalisch verworfenen englischen We like me auseinander.

Lasnik(1989ay1989b)siehtenglischeSätzewieWelovemealsungrammatikalisch und inakzeptabel an, der Autor berücksichtigt aber Sätze wie I make us coffee nicht. Die Ablehnung scheint vor allem semantisch motiviert zu sein, denn auch im Englischen sind Sätze wie I make us coffee offenbar keine Ausnahme, wenngleich García Calvo ([1974] 1990: 130) glaubt, es handle sich um einen 'eigenartigen' Gebrauch, weil er nicht mehr als zwei Beispiele finden konnte.

García Calvo konnte noch nicht auf elektronische Korpora zurückgreifen, wie das heute möglich ist. Heute kann man, bevor man sich auf die Suche in Korpora macht, ohne Aufwand z. B. bei Google prüfen, ob im Internet jemand eine bestimmte gesuchte Struktur überhaupt schon einmal verwendet hat. Im Internet und in elektronischen Korpora sind sehr schnell Hunderte oder Tausende Belege für Sätze wie I'll make us some coffee, I'll fix us a nice cup of tea usw. zu finden, die deutlich zeigen, dass mit Urteilen über die Unmöglichkeit bestimmter Strukturen in Zeiten von Riesenkorpora und Internet vorsichtig umzugehen ist.

Relativierend muss gesagt werden, dass man im Internet eigentlich 'alles' finden kann. Der Umstand dagegen, dass ein Element in einem Korpus nicht zu finden ist, gestattet es nicht, darauf zu schließen, dass die Struktur ungrammatikalisch oder gar inexistent ist. Auch wenn ein Korpus keine Informationen darüber geben kann, was in einer Sprache möglich oder unmöglich ist, so kann es doch Informationen darüber liefern, was in einer Sprache tatsächlich realisiert wird und wie üblich es ist (Levin/Song/Atkinson 1997: 25, s. Sinner 2004: 117). Das wiederum ist ein wichtiger Anhaltspunkt für die Position der Sprecher, die ja in der Grammatik – wie auch immer wir sie nun auffassen, als präskriptives Konstrukt oder als Grammatikmodell – nicht unbedingt wiederzufinden ist. García Calvo (1973: 276–278) bedient sich seiner eigenen Kompetenz als Sprecher, um die mehr oder weniger starke Ungrammatikalität der Strukturen partieller Koreferenzialität (die bei ihm allerdings noch nicht so heißt) aufzuzeigen. Auch für das Spanische findet man im Internet Belege wie (36) und (37) und (38), die definitiv von Spanischmuttersprachlern stammen:

  1. Nauzet: ''Nos veo capacitados para ganar en el Heliodoro'' (Nauzet Alemán Viera, geboren in Las Palmas de Gran Canaria) (http://www.marca.com/2009/04/21/futbol/equipos/las_palmas/1240333098.html)
  2. no es la forma, y definitivamente, no es el momento. pero yo nos creia libres!!! libresss!!! como nadie en el mundo entero. muniekitarotah,6. 2.2008 (http://www.blog-v.com/yosintuamor/tema-2899,)
  3. Entre espejos nos veo. (Maurico Ocampo, Pag de escritos, críticas y todo lo que se les ocurra que pueda generar rebeldía; 13. 3. 2006) (http://mauricio-ocampo.blogspot.com/2006/03/entre-espejos-nos-veo.html)

Der erste und einzige mir bekannte Hinweis auf die Ungrammatikalität der partiellen Koreferenz im Spanischen in einem präskriptiven Werk findet sich im Diccionario Panhispánico de Dudas der Real Academia von 2005. Es heißt dort unter 7. c) im Abschnitt zu den unbetonten Personalpronomen:

No puede haber correferencia parcial entre el clítico y el sujeto del verbo; por ello no es posible una oración como *Nos hice una cena riquísima (el referente ''yo'' del sujeto es solo una parte del referente ''nosotros'' del complemento indirecto). Los referentes han de ser, o bien totalmente distintos, o bien totalmente coincidentes: os hice una cena riquísima (sujeto ''yo'' y complemento indirecto ''vosotros''); Nos hicimos una cena riquísima (el referente del sujeto y del complemento indirecto es ''nosotros'').

(http://buscon.rae.es/dpdI/SrvltGUIBusDPD?lema=pronombres%20personales%20%E1tonos)

Dies ist nun der Stand der präskriptiven Grammatik; die deskriptiveAnnäherung über die Korpusanalyse und insbesondere die Berücksichtigung der Haltung der Sprecher in Form von Akzeptabilitäts-und Grammatikalitätsurteilen ergibt jedoch ein etwas anderes Bild.

 

4. URTEILE ÜBER AKZEPTABILITÄT UND GRAMMATIKALITÄT

Im Rahmen einer Untersuchung zum Spanischen von Katalonien (Sinner 2004) wurden Fälle von partieller Koreferenz berücksichtigt. Unter anderem wurden Aussagen von Sprechern aus Barcelona und Madrid über eine Reihe von lexikalischen, syntaktischen, morphologischen und pragmatischen Erscheinungen verglichen, um regionale Unterschiede im Gebrauch und im Verständnis bestimmter sprachlicher Erscheinungen zu ermitteln. Bei Akzeptabilitäts-und Grammatikalitätsstudienmüssen dieTestsätze so konstruiertsein,dass sichergestellt ist, dass Zustimmung oder Ablehnung tatsächlich auch mit dem untersuchten Element und nicht mit anderen Erscheinungen in den zu bewertenden Strukturen zusammenhängt. Es ist genauestens zu prüfen, ob die Testsätze mehr als einen problematischen Aspekt aufweisen, und gegebenenfalls müssen zur Klärung Nachfragen gestellt werden. Die Notwendigkeit von Ablenkfragen, welche die Informanten vom eigentlichen Ziel der Studie wegleiten sollten, legte es in der kontrastivenUntersuchung zumkatalanischen Spanischnahe,neben vermeintlichen Besonderheiten des katalanischen Spanisch noch weitere fragwürdige Erscheinungen aufzunehmen. Untersucht wurde dabei auch dieAkzeptabilität der folgenden Fälle partieller Koreferenz (ausführlich dazu: Sinner 2005):

  1. Si quieres nos hago un cafetín, ¿te apetece? 'wenn du willst, mache ich uns ein Käffchen, magst du?'
  2. Yo nos creo superiores a nuestros adversarios. 'ich halte uns für unseren Gegnern überlegen'

Der erste Satz weist mit cafetín eine Diminutivform auf, die nur in einigen Regionen Spaniens – v. a. in Asturien – in dieser Art üblich ist. Für die Sprecher anderer Dialekte des Spanischen wirkte -ín als Verkleinerung des Ortes – 'ein kleines Café'– im gegebenen Kontext merkwürdig und gab damit den gewünschten zusätzlichen Gesprächsstoff. Weiterhin interessierte der Gebrauch des Verbs hacer 'machen', das im Spanischen der katalanischsprachigen Gebiete häufiger als im Spanischen anderer Regionen ist und vielfach auch mit einer anderen Bedeutung oder in Konstruktionen, wo es sonst (in anderen Gegenden) unmöglich ist, gebraucht wird, wie zum Beispiel hacer un café, was nicht als 'einen Kaffee machen', sondern im Sinne von 'einen Kaffee trinken'gebraucht wird. Neben Testsätzen zu entsemantisiertem hacer waren auch Sätze erforderlich, in denen hacer wirklich 'machen' im engeren Sinne bedeutet, wie dies in (39) der Fall ist. Tatsächlich ließen sich fast alle Testpersonen ausgiebig über den Satz aus, den sie aufgrund der partiellen Koreferenz praktisch durchweg als ''totalmente imposible'' 'völlig unmöglich', ''fea'' 'hässlich' usw. ablehnten, ohne sich weiter über das Verb zu äußern; auch cafetín wurde nur en passant als kurios klassifiziert.

Auch (40) war konstruiert, und zwar auf Grundlage eines Beispielsatzes aus Moliner (1991: s.v. creer). Der Satz ''No le creo tan inteligente como dicen'' 'Ich halte ihn nicht für so intelligent wie behauptet wird'wurde durch Einfügung einer partiellen Koreferenz an die Bedürfnisse der Studie angepasst.

Die Kontrollgruppen in Barcelona und Madrid, die in ihrem Urteil sonst mitunter sehr stark voneinander abwichen, bewerteten die Sätze hinsichtlich der Grammatikalität (formelle Akzeptabilität) relativ positiv; gut die Hälfte der Informanten wertet die Sätze als grammatikalisch einwandfrei, findet also keine Gründe für eine Ablehnung aufgrund der Struktur. Beide Gruppen bewerten die Sätze jedoch sehr negativ im Hinblick auf ihre Akzeptabilität (intuitive Akzeptabilität):11 Auf einer siebenstufigen Skala von sehr gut (7) über gut zu schlecht bis sehr schlecht (1) erreicht der erste der beiden Sätze gerade einmal eine Einstufung zwischen 2,2 und 3,1.12 Als Begründung finden sich im Falle von nos hago Aussagen wie ''sueña extraño'' (5 Informanten), ''es vulgar'' (1), ''una barbaridad'' (1), ''es redundante'' (1), ''se trata de un dativo ético'' (2), ''es un dativo afectivo'' (1) ''es como te cantas algo'' (1) oder ''no encaja [el pronombre en plural con el verbo en singular]'' (4). Und im Falle von nos creo: ''sueña extraño'' (3), ''no significa nada'' (1), ''la construcción no existe'' (1), ''poco frecuente'' (1), ''suena a traducción anglogermánica'' (1), ''suena inglés'' (1), ''sólo la diría un extranjero'' (1), ''no es idiomática'' (1). Bemerkenswert war vor allem, dass eigentlich keiner der Informanten, allesamt Personen, die beruflich mit der spanischen Sprache bzw. über das Spanische arbeiten, erklären konnte, was mit dem Satz nicht in Ordnung sei, oder die Erklärungen abwegig waren. Als Alternativen wurden Konstruktionen wie me hago, te hago, os hago, nos hacemos oder nos tomamos, Streichen des Pronomens oderAustausch durch hacer para nosotros o hacer para los dos bzw. creo que somos superiores, considero que somos, nos creemos gegeben. In einem Fall wurde statt nos creo die Form nos considero vorgeschlagen, womit die partielle Koreferenz erhalten bliebe. Auffallend ist, dass auch bei stärkster Ablehnung die Sprecher nicht wissen, was aus Sicht der präskriptiven Grammatik 'falsch'ist; die Nichtverwendung der Struktur, ihre vernachlässigbare Frequenz ist somit letztlich die einzige Erklärung für ihre Ablehnung durch die Sprecher (s. Sinner 2005): Was nicht benutzt wird, ist unüblich, wird als solches eingeschätzt bzw. abgelehnt oder in Frage gestellt. Das erklärt auch, warum geurteilt wird, der Satz klinge fremd oder nach einer Übersetzung. Die Informanten wussten nicht, wie sie ihre intuitive Ablehnung der Strukturen begründen sollen. Es ist aber anzumerken, dass gut die Hälfte der Informanten die Beispiele nicht als ungrammatikalisch zurückwies. Es handelt sich offensichtlich um ein Frequenzproblem: Die Konstruktion ist in der parole nicht präsent, auch wenn die langue die partielle Koreferenz anscheinend zumindest zum Teil problemlos ermöglicht. Wichtig ist offensichtlich, wie immer bei Akzeptabilitätsurteilen, wie die Strukturen kontextualisiert werden.

Ramírez Gelbes (2008) glaubt nun, dass die Akzeptabilität mit der Aspektualität des jeweiligen Prädikats zusammenhängt. In ihrer Untersuchung auf Grundlage einer Befragung von 38 Studierenden aus Buenos Aires stellt sie fest, dass die Strukturen mit inklusiver Koreferenz (Singularreferent ist im Pluralreferent enthalten) als annehmbar eingestuft werden, wenn sie zwei Bedingungen erfüllen: 1) Der Singularreferent dominiert den Pluralreferent (steht also in der Baumstruktur über dem Pluralreferent) und 2) das Prädikat ist telisch, das Verb beschreibt also Vorgänge, die einen Endpunkt voraussetzen, der jedoch ''nicht notwendigerweise eintreten'' (Meibauer 2007: 196) muss. Ramírez Gelbes (2008) schlägt sogar vor, einige statische (also atelische) Verben in die Gruppe der telischen Verben aufzunehmen, da sie inklusive Koreferenz erlauben, aber das scheint eher ein Hinweis darauf zu sein, dass ihreArgumentation,Telizität sei eine der Bedingungen für Möglichkeit partieller Koreferenz, eben nicht zutreffend ist. Interessant sind ihre Ergebnisse im Hinblick auf dieAkzeptabilität der unterschiedlichen Beispiele für partielle Koreferenz; in Klammern steht nachfolgend jeweils die von Ramírez Gelbes (2008) ermittelte Akzeptabilitätsrate:

  1. Dado que mucha gente me conoce, creo que nos conviene candidatearme. (24%)
  2. Aunque los miembros del otro partido me ofrecen algunos privilegios si los voto, todavía creo que me conviene votarnos: a vos para secretario y a mí para vocal. (32%)
  3. No hay problema: yo nos inscribo. (71%)
  4. Juan y yo teníamos que estar de guardia y yo sabía que lo único que nos mantiene despiertos es oír alguna voz; de modo que nos hablé, a Juan y a mí, toda la noche sin parar. (21%)
  5. Vos me lo dijiste y yo me lo dije a mí mismo, pero en ese momento reaccioné como no tenía que reaccionar: me hablamos en vano. (0%)
  6. Aunque la foto estaba borrosa, esos éramos nosotros: nos conozco de memoria. (65%)
  7. Como no debíamos dormirnos, ni él ni yo, y él estaba callado como una momia, decidí leernos historias divertidas. (33%)
  8. Yo estaba tan aburrida que nos tejí un pulóver a cada uno. (48%)
  9. Como moríamos de hambre, nos preparé algo con lo poco que había en la heladera. (55 %)
  10. Nosotros no habríamos reaccionado así: yo nos sé muy bien. (5%)

Die Informanten konnten bei den ihnen präsentierten Testsätzen jedoch nur zwischen korrekt und nicht korrekt entscheiden; eindeutig problematisch ist auch, dass die Autorin die Akzeptabilitätswerte ermittelt, ohne zu bestimmen, was genau in den Sätzen abgelehnt wurde, obwohl dies, wie gesehen, als unabdingbare Voraussetzung anzusehen ist. Ihr Satz 10 beispielsweise ist m. E. wegen des Verbs saber und nicht wegen der Koreferenz von nur 5% der befragten Studierenden als akzeptabel bewertet worden, während die praktisch identische Struktur in 6, mit dem Verb conocer, 65% Zustimmungsrate erhält;13 mit der Formulierung yo nos conozco muy bien wäre die Akzeptabilität von 10 sicherlich ganz anders ausgefallen, wie meine eigenen Untersuchungen zur Akzeptabilität dieser beiden Konstruktionen im direkten Vergleich belegen. Bei der Gegenüberstellung der beiden Sätze in (41) zur Überprüfung dieser Ergebnisse haben 21 erwachsene Informanten aus Buenos Aires den ersten mit saber 'wissen' ebenfalls zu fast 95% abgelehnt, während der zweite mit conocer 'kennen' von 70% als annehmbar klassifiziert wurde.

  1. a. Nosotros no habríamos reaccionado así: yo nos sé muy bien.
    'wir hätten nicht so reagiert: ich weiß [!?] uns sehr gut'
    b. Nosotros no habríamos reaccionado así: yo nos conozco muy bien.
    'wir hätten nicht so reagiert: ich kenne uns sehr gut'

Hier geht es offensichtlich nicht um die Frage nach telisch oder atelisch, wie die Autorin meint, sondern um Semantik und Pragmatik: Die genaue Analyse der Beispielsätze zeigt eine Reihe von Problemen, die einer genaueren Hinterfragung der Ablehnung bedürft hätten. Die hohe Akzeptabilität von nos inscribí muss zudem im Zusammenhang mit dem Umstand gesehen werden, dass bei inscribirse das Reflexivpronomen inkorporiert ist; Ramírez Gelbes (2008) geht auf diesen Umstand nicht einmal ein.

 

5. LÖSUNGSANSÄTZE

Wie aber ist aus linguistischer Sicht die Frage der partiellen Koreferenz zu erklären und welche Möglichkeiten gibt es zur Erklärung ihrer Restriktion im Spanischen?

Im Hinblick auf das grundsätzliche Problem der partiellen Koreferenz mit Klitika – ich möchte nicht, wie es in den Debatten mit Kollegen immer wieder der Fall war, Unmöglichkeit sagen, auch weil die Korpusanalysen und die Akzeptabilitätsstudien diesbezüglich, wie gesehen, zum Teil eine andere Sprache sprechen – ist der folgende Erklärungsansatz denkbar. Geht man, so wie Anderson (2004: 11) vorschlägt, davon aus, dass Klitika eine Form der Kongruenz–agreement – darstellen,14 so wird sichtbar, dass ihre Grenzen im Hinblick auf die partielle Koreferenz gewissermaßen den zwischen der Nominalflexion des Verbs und dem lexikalischen Subjekt zu findenden Einschränkungen entsprechen, wie in (42) zu sehen ist:

  1. a. *Yo no hablaremos.
    'ich werden nicht sprechen'
    b. *Nosotros no hablaré.
    'wir wird nicht sprechen'

Da Klitika, anders als die Flexion, syntaktisch gesehen relativ unabhängig sind, könnte man sie als eine andere Form der Flexion auffassen. Man könnte annehmen, dass das spanische Verb drei Typen der nominalen Kongruenz aufweist, eine im casus rectus und zwei im casus obliquus: Die Kongruenz im casus rectus wird durch die Verbmorphologie in den finiten Formen des Verbs erzielt. Die Kongruenz im casus obliquus erscheint in der Regel fakultativ – in manchen Fällen aber auch obligatorisch – mit unbetontem Pronomen und ist sowohl mit den finiten als auch mit den infiniten Formen vereinbar. Im casus rectus muss Kongruenz mit Person und Numerus des Subjekts gegeben sein. Die Kongruenzen im casus obliquus betreffen Person und Numerus der übrigen Ergänzungen (beispielsweise des Akkusativobjekts).

Die Kongruenzen im casus obliquus können bezüglich ihrer Referenz von der Kongruenz beim Nominativ abweichen oder aber koreferent sein; dies bedeutet, dass überlappende Referenz unmöglich ist. Wenn also eine der Kongruenzen im casus obliquus auf ein Individuum referiert, das in der Referenz der Nominativ-Kongruenz enthalten ist, so muss sie mit dieser übereinstimmen. Hierbei handelt es sich also um eine syntaktische Beschränkung und nicht etwa um eine semantische, die auftritt, wenn die Klitika mit demArgument des Verbs übereinstimmen, sie ist jedoch nicht gegeben, wenn sie nicht übereinstimmen.

Die Kongruenzen im casus obliquus können bezüglich ihrer Referenz von der Kongruenz beim Nominativ abweichen oder aber koreferent sein; dies bedeutet, dass überlappende Referenz unmöglich ist. Wenn also eine der Kongruenzen im casus obliquus auf ein Individuum referiert, das in der Referenz der Nominativ-Kongruenz enthalten ist, so muss sie mit dieser übereinstimmen. Hierbei handelt es sich also um eine syntaktische Beschränkung und nicht etwa um eine semantische, die auftritt, wenn die Klitika mit demArgument des Verbs übereinstimmen, sie ist jedoch nicht gegeben, wenn sie nicht übereinstimmen.

Die bereits erwähnte merklich höhere Akzeptabilität von Strukturen der Form SINGULARi PLURALi+j(+...) wie in (43) als von Strukturen mit der Sequenz PLURALi+j(+...) SINGULARi wie in (44) ist aber auch darauf zurückzuführen, dass das Pronomen im Obliquus mit dem Nominativ übereinstimmt und nicht umgekehrt, und darauf, dass die Möglichkeit der Kongruenz z. B. bei der ersten Person Plural größer ist als bei der ersten Person Singular.

  1. a. (yo) nos hago un café
    b. (yo) nos creía superiores a nuestros adversarios
  2. a. (nosotros) me hacemos un café
    b. (nosotros) me creíamos superiores a mi adversario
    Klar zeigt dies die folgende Gegenüberstellung:
  3. a. {Yo / *esta persona / *el que habla} creo...
    {ich / diese Person / der, der spricht ...} glaube ...
    b. {Nosotros / la familia / los alumnos ...} creemos...
    {wir / die Familie / die Schüler ...} glauben...
So gesehen ist der Umstand, dass Sätze wie unter (43) als annehmbarer eingestuft werden als Sätze wie unter (44), mit einer größeren Deutungsbreite oder Flexibilität der ersten Person Plural gegenüber der ersten Person Singular zu erklären. Damit spielt also sicherlich auch die Frequenz eine wichtige Rolle, was die Unterschiede zwischen erster und zweiter Person sowie Singular und Plural angeht.15 Das hat Muller (1986) bereits für das Französische festgestellt. Muller belegt in zwei Akzeptabilitäts-und Ergänzungstests mit studentischen Informanten französischer Muttersprache, dass die Konstruktionen tu vous und nous me die am wenigsten akzeptablen Konstruktionen sind, dass die Verneinung dieAkzeptabilität nicht beeinflusst und dass die Sätze mit einem Subjekt in der 1. Person Singular und einem Objekt im Plural die mit Abstand bevorzugten bzw. am ehesten als annehmbar bewerteten sind (Muller 1986: 75, vgl. Sinner 2005). Die Konstruktionen, in denen der Singularreferent in dem von ihm dominierten Pluralreferenten enthalten sind, sind schon rein semantischpragmatisch gesehen häufiger zu erwarten als umgekehrt, da Sprecher häufiger für sich selbst sprechen als für eine Gruppe.

Der Umstand schließlich, dass partielle Koreferenz bei Klitika der 1. und 2. Person möglich ist, nie dagegen in der 3. Person, hängt mit einem grundlegenden morphologischen Unterschied zwischen den Klitika 1. und 2. Person und denen der 3. Person des Spanischen zusammen, da sich anaphorische und pronominale Formen nur in der 3. Person in ihrer Morphologie unterscheiden (s. Tabelle 1).

 

 

Die Klitika der 3. Person können nicht in partiell koreferenten Strukturen erscheinen, weil dies aufgrund der morphologischen Unterschiede schlichtweg unmöglich ist. Dagegen ist es im Fall der 1. und 2. Person, wie gezeigt wurde, unter bestimmten Bedingungen tatsächlich möglich, da hier keine morphologische Unterscheidung gegeben ist. Diese fehlende Unterscheidung erklärt, warum betonte Pronomen in partiell koreferenten Strukturen erscheinen können.

Zu erklären ist dies damit, dass Anaphern nominale Elemente sind, die in einer syntaktischen Domäne referentiell an ein anderes nominales Element gebunden sind, während Pronomen nominale Elemente sind, die in einer syntaktischen Domäne nicht mit einem anderen nominalen Element Koreferenz aufweisen können. Entsprechend können morphologischAnaphern oder Pronomen entsprechende Pronomen keine koreferenziellen Beziehungen eingehen, in denen beiden Erscheinungen gegeben sind. In Fällen wie (46) wäre ein Pronomen in einer Beziehung partieller Koreferenz offensichtlich dem Prinzip B der Bindungstheorie – wonach ein nicht-reflexives Pronomen in seiner Bindungsdomäne frei sein muss – widersprechend gebunden.

  1. (*)ellosi+j(+...) lei hicieron un café
    Eine Anapher dagegen wäre unter denselben Bedingungen gebunden, wobei Anaphern aber Übereinstimmung der Referenz erfordern (47).
  2. (*)ellosi+j(+...) sei hicieron un café

Die einzigen Elemente, die derart auftreten können, sind (a) Pronomen, die nicht die Morphologie vonAnapher / Pronomen aufweisen, also lediglich die betonten Formen (ohne das verstärkende mismo, das sie automatisch zuAnaphern macht) und (b) die unbetonten Formen der 1. und 2. Person. Diese unbetonten Formen verhalten sich in bestimmten Fällen wie Flexionen, was die Möglichkeit partieller Koreferenz ausschließt. Gemäß Rektions-und Bindungstheorie verhalten sich die Klitika der 1. und 2. Person wie Anaphern oder wie Pronomen, wenn sie Argument des Verbs sind, das ihren Kasus markiert, nicht jedoch, wenn sie Argument eines anderen Verbs sind. Dieses Verhalten ist erklärbar, wenn man voraussetzt, dass unbetonte Pronomen nur dann syntaktisch an das Verb gebunden werden, wenn sie Argument des Verbs sind. Versteht man die Präpositionen als Prädikate, können (a) und (b) zu einem Fall zusammengefasst werden: Partielle Koreferenz ist im Spanischen möglich, wenn das referenziell abhängige ElementArgument eines Prädikats ist, welches nicht mit dem Prädikat übereinstimmt, das die thematische Rolle des Elementes markiert, von dem es abhängt. Entsprechend sind die Elemente, die in partieller Koreferenz stehen können, unbetonte Pronomen, wenn sieArgumente eines Prädikats sind, welches nicht mit dem Verb übereinstimmt, das ihren Kasus bestimmt, und betonte Pronomen nach Präposition.

 

6. DIE FRAGE DER NORM

Nachdem nun die möglichen Gründe für Vorliegen oder Blockierung von partieller Koreferenz behandelt sind, ist auf die Haltung der RAE zurückzukommen und damit zu der Frage, wie sich die Sicht der Real Academia Española mit dem verträgt, was die Sprecher tatsächlich tun oder nicht tun.

Bemerkenswert ist, dass die Linguisten des Departamento de Español Urgente der Nachrichtenagentur efe, die auch den viel konsultierten Manual de Español Urgente herausgibt, noch 1997 Fälle von partieller Koreferenz, zu denen sie konsultiert wurden, als ''gramaticales y aceptables'' klassifizierten (http://lists. albura.net/efe.es/apuntes-kpn/1997-02/0055.html; besucht und archiviert am 3. August 2003). Dies ist sicherlich im Hinblick auf das Normverständnis auch damit zu erklären, dass es bis zum Erscheinen des dpd (2005) keine präskriptive Grammatik gegeben hat, die den Gebrauch von Konstruktionen wie den dem Departamento de Español Urgente zur Bewertung vorgelegten ''yo nos veo a punto'' 'ich glaube, wir sind nah dran/fertig', ''tú os tienes en muy alta estima'' 'du hältst sehr viel von euch', ''nosotros me vemos en una foto'' 'wir sehen mich auf einem Foto', ''vosotros te estáis haciendo mucho daño'' 'ihr schadet dir sehr/ihr tut dir sehr weh' abgelehnt hätte.

Die Sprecher sehen die Sache offenbar nicht so klar wie die RAE

Auch nach dem Erscheinen des dpd räumt die rAe – d. h. die Konsultationsstelle Departamento Español al día – jedoch in einer Antwort auf eine Anfrage am 27. Oktober 2009, nach der Angabe der bereits zitierten Stelle aus dem dpd, selbst ein (http://forum.wordreference.com/showthread.php?t=1564970&hig hlight=consulta+rae):

Parece, de todas formas, que a pesar de que puede sonar también extraño, es sentido de manera menos forzada el caso en el que el sujeto es singular y el objeto es plural (Nos veo, nos oigo, nos noto), especialmente cuando se trata de verbos de percepción (ver, oír, notar), frente al caso contrario (Me vemos, me oímos, me notamos), que es claramente agramatical. Por tanto, se entiende que la combinación del objeto plural con el sujeto singular, dependiendo del contexto en que se halle inserta, podría considerarse más o menos justificada en su empleo, aunque, desde luego, siempre algo forzada, propia del lenguaje hablado familiar o coloquial, y menos adecuada que cualquier otro modo de expresar lo mismo.

Existe, además, otro tipo de enunciados similar (Nos veo en un par de años casados y con hijos), que responden a una construcción concreta y peculiar de nuestro idioma. Con verbos de percepción (ver, notar, sentir, etc.) y con los verbos denominados ''creadores de mundos'' (imaginar, suponer, ver 'en el sentido de imaginar', presentir, considerar, tener por, juzgar, etc.) y la presencia de un complemento predicativo en la frase, normalmente un adjetivo o un participio que concuerda en número con el pronombre átono en función de complemento directo, es corriente esta construcción en la que el sujeto es normalmente una primera persona del singular que se incluye en el plural del pronombre átono mencionado.

NOS IMAGINO RICOS DESPUÉS DEL SORTEO.

NOS SUPONGO PREPARADOS PARA EL TRABAJO.

NOS VEO CASADOS DENTRO DE TRES AÑOS.

NOS SIENTO PRÓXIMOS A LA GENERACIÓN X.

NOS NOTO UN POCO DESANIMADOS.

NOS TENGO POR INTELIGENTES.

NOS CONSIDERO CAPACES DE APRENDERLO EN UNA HORA.

Otra opción es la de que el predicativo sea un gerundio:

NOS VEO DURMIENDO DEBAJO DE UN ÁRBOL.

NOS VEO HACIENDO TURNOS TODA LA NOCHE.

O un adverbio:

NOS IMAGINO ESTUPENDAMENTE.

NOS VEO MAL.

O un complemento circunstancial:

NOS VEO EN EL ARROYO, NOS VEO EN UN DILEMA, COMO ANTES, CON ARRUGAS, POR UN BOSQUE, SIN DINERO, DE LOS NERVIOS, etc.

Téngase en cuenta además que la particularidad de esta construcción estriba en que solo puede plantearse desde el punto de vista del que está hablando, es decir, siendo el sujeto singular e incluyéndose en un conjunto de personas representadas por el pronombre átono plural, y no al revés:

*ME VEMOS HACIENDO GUARDIA TODA LA NOCHE o *ME IMAGINAMOS CASADO son frases inadecuadas.

Con una segunda persona del singular como sujeto aunque resulta infrecuente en extremo, podría darse, por ejemplo en el estilo indirecto:

ME DICES QUE OS IMAGINAS DURMIENDO EN LA CALLE

ME COMENTAS QUE OS VES CASADOS DENTRO DE UNOS AÑOS.

Y por último, con una tercera persona del singular resultaría también impropio:

*SE VE CASADOS...

Bemerkenswert sind die Aussagen über die forciert wirkende Verwendung ''propia del lenguaje hablado familiar o coloquial''.

Nicht nur im Internet sondern auch im historischen Korpus corde und im Korpus des modernen Spanisch creA der rAe selbst finden sich Belege, die zeigen, dass die partielle Koreferenz nicht völlig ungebräuchlich – wenngleich keinesfalls häufig – ist, dass sie in der Geschichte des Spanischen weit zurückgeht und auch nicht unbedingt auf die von der rAe angegebenen Bereiche beschränkt ist. So finden sich beispielsweise die folgenden Belege aus in Spanien erschienenen Publikationen (vgl. Sinner 2005):

  1. La mucha tristeza mia / que causo vuestro desseo / ni de noche ni de dia / quando estoy donde nos veo / no oluida mi compañia (Cancionero de Garci Sánchez de Badajoz, 1500-1520; CORDE)
  2. Marigreja No sea yo Marigreja, / si nos hago castigar / assi, don canicular / percodido, / como çapato roydo, / viejo ruyn y rapaz! (Farsa llamada Rosiela, 1528; CORDE)16
  3. [...] mientras Pilar declama, explica, mueve los brazos para hacer más ostensible su indignación, su comprensión o su pena, yo Enrique la veo, nos veo sin forma, desdibujados en un marco que me resulta familiar como si fuera Pilar un micrófono y yo un receptor de datos que [...] me veía, me veo obligado a registrar contestando a Pilar [...]. (Ortiz, Lourdes, Luz de la memoria, 1976; creA)
  4. Como esto siga así, nos veo cavando trincheras en Axdir.(Silva, Lorenzo, Del Rif al Yebala. Viaje al sueño y la pesadilla de Marruecos, 2001; CREA)

Zusätzlich zu diesen Belegen aus der Literatur soll auch ein oralsprachlicher Beleg erwähnt werden, der besonders aussagekräftig erscheint. So war während der Eröffnung des Internationalen Kongresses der ALFAL – der Vereinigung der Linguisten und Philologen Lateinamerikas – in Montevideo am 18. August 2008 in einer der Eröffnungsreden zu hören:

  1. La organización del congreso no fue fácil, no fue un camino de rosas. Después, nos veo aquí reunidos, y podemos estar contentos.

All diese Belege machen die Aussage von Español al día fragwürdig, der Gebrauch von Strukturen partieller Konferenz sei der umgangssprachlichen oder familiären Mündlichkeit eigen und ansonsten weniger adäquat als alternative Ausdrucksformen: Auch in der Literatur und in formaler gesprochener Sprache sind sie zu finden.

Die Präskription setzt ganz klar erst 2005 ein; die Zukunft wird zeigen, wie sie sich auf den Gebrauch auswirkt. Dass die Sprecher die Strukturen zumindest zum Teil benutzen, ist klar, wie auch die vielen Foren zeigen, in denen über das Für und Wider und auch die genauen Bedeutungen der Konstruktionen, die Unterschiede zwischen Konstruktionen wie nos compro und compro para nosotros usw. debattiert werden (s. z. B. http://forum.wordreference.com/showthread.php?t=1564970&highlight=consulta+rae und http://cvc.cervantes.es/foros/leer1.asp?vId=21470)

 

7. FREMDSPRACHENERWERB, KONTRASTIVE LINGUISTIK UND ÜBERSETZUNG

Dass sich in Grammatiken des Spanischen nichts zum Problem der partiellen Koreferenzfindet,darfzumindestimHinblickaufdieWerke,dienichtgrundsätzlich für den Fremdsprachenerwerb gedacht sind, nicht verwundern (s. dazu Sinner 2005). Bemerkenswert ist nun, dass die Frage der partiellen Koreferenz, die ja in der Hispanistik – von ein paar kaum zur Kenntnis genommenen Publikationen eines einzigenAutors abgesehen – lange unbeachtet blieb, auch in der kontrastiven Linguistik und in der Fremdsprachenlehre bisher nicht berücksichtigt wurde, obwohl es sich doch nun gerade um einen Aspekt handelt, der bei Sprechern, in deren Muttersprache diese Struktur üblich bzw. sowohl grammatikalisch als auch akzeptabel ist, eine potentielle Quelle der Interferenz darstellt.

In der Kontrastiven Grammatik Spanisch-Deutsch von Gauger/Cartagena (1989) finden sich beispielsweise keinerlei Hinweise auf die Struktur im Deutschen oder ihren restriktiven Gebrauch und ihre geringe Frequenz im Spanischen, und in Grammatiken und Lehrbüchern bietet sich dasselbe Bild.

Durch eine Analyse unterschiedlicher in Deutschland in der Schul-und Erwachsenenbildung verwendeter Spanisch-Lehrwerke sollte nun festgestellt werden, ob in diesen die im Spanischen problematische Verwendung verbundener Objektpronomen in der Form ''nos hago'', ''me inscribimos'', ''os puedes'' etc. vermittelt wird. Es stellte sich heraus, dass in den Darstellungen der Grammatik und den Beispieltexten zwar keines der konsultierten Lehrwerke eine derartige Verwendung der verbundenen Objektpronomen aufweist,17 dass aber auch in keinem Werk auf die Tatsache hingewiesen wird, dass diese Strukturen im Spanischen zum Teil nicht möglich sind. Im Internet findet sich dagegen ein für Spanisch und Deutsch frei zugängliches Online-Lehrwerk18, in dem als Beispiele Sätze wie ''Yo nos veo'' und ''Yo nos regalo un libro'' gegeben werden (s. Abbildungen 6 und 7).

 

http-/www.spanisch-lehrbuch.de/grammatik/kapitel4/spanisch_lernen_online_kapitel_4_5.htm

 

Die Beispiele sind auf zwei inhaltlich identischen Seiten zu finden, wovon eine als Spanisch-Lehrwerk für Deutsche und eine als Deutsch-Lehrwerk für Spanier gedacht ist. Daher ist zumindest die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass der Grammatikteil des Spanisch-Lehrwerks durch Übersetzung aus einer deutschen Grammatik hervorgegangen ist oder dass sie von den deutschen Betreibern der Webseite (infos24 GmbH) erstellt wurde.

 

http-/www.curso-de-aleman.de/grammatik/kapitel_10/10_2_declinacion_de_los_pronombres_personales.htm

 

Im Hinblick auf die Übersetzung stellt die partielle Koreferenz potentiell eine Schwierigkeit19 für die Übersetzung ins Spanische dar. Davon zeugen Belege in aus dem Deutschen ins Spanische übersetzten Texten wie in Abbildung 8, wo eine Aussage des Fußballers Ballack von 2008, sicherlich eine Formulierung wie ''Ich sehe uns nicht als Favoriten'', direkt als ''No nos veo como favoritos'' aus dem Deutschen übersetzt wurde. Das ist, wie wir nun gesehen haben, nicht falsch; aber ungewöhnlich ist es wohl doch. Gerade die Frage der Frequenz, der Üblichkeit, spielt bei der Übersetzung nun aber eine besondere Rolle, weil es nicht nur darum geht, in der Zielsprache der Übersetzung etwas zu schreiben, was man sagen oder schreiben kann, sondern darum, das zu schreiben, was man höchstwahrscheinlich sagen oder schreiben würde.

 

http://es.fifa.com/confederationscup/news/newsid=815201.html

 

Aus kontaktlinguistischer Sicht ist klar, dass die Struktur eher als akzeptabel angenommen wird, wenn sie aus einer anderen Sprache bekannt ist, und das ist bei den deutschen Studierenden mit Deutsch als L2, aber auch bei Studierenden des Deutschen mit spanischer Muttersprache zumindest bei tieferen Kenntnissen des Deutschen sicherlich der Fall. Seit ich selbst die Struktur bewusst wahrnehme, fällt sie mir immer wieder bei Nichtmuttersprachlern des Spanischen auf, und manche der Belege, die man im Internet finden kann, sind auch Nichtmuttersprachlern zuzuschreiben. Bei Zwei-oder Mehrsprachigen, die eine L1 oder eine gut beherrschte L2 haben, in der die partielle Koreferenz nicht nur möglich, sondern eben auch üblich ist, konnte ich in Akzeptabilitätstests belegen, dass sie die partielle Koreferenz im Spanischen (so wie auch im Italienischen) auch in Konstruktionen gutheißen, die von Muttersprachlern bzw. einsprachigen Muttersprachlern abgelehnt werden (s. auch Sinner 2005). Die Notwendigkeit, das Problem der partiellen Koreferenz auch in der Übersetzungslehre zu berücksichtigten, liegt angesichts der fast durchgängigen Übernahme der Struktur durch nicht muttersprachliche Sprecher und ihre erhöhte Akzeptabilität bei zweisprachigen Sprechern auf der Hand.

Da es nun, wie gezeigt wurde, im Hinblick auf die partielle Koreferenz für das Spanische weder Traditionen der Deskription noch Traditionen der Präskription gibt, die die Sprecher in der Vergangenheit beeinflusst haben könnten, und die Präskription erst 2005 einsetzt, aber durch die Internetberatungen der Real Academia Española bereits untergraben wird, bleibt abzuwarten, wie sich der Gebrauch im Spanischen weiter entwickeln wird. Mit der Präskription in einem normativen Wörterbuch des Spanischen eröffnet sich zudem die Perspektive einer Berücksichtigung auch in deutschen Lehrwerken des Spanischen, die ja die Normen der Real Academia Española in der Regel zur Grundlage ihrer Darstellungen der spanischen Grammatik machen.

 

BIBLIOGRAPHIE

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* Recibido: 02-12-08
Aceptado: 13-04-09

 

 

NOTEN

1 DieseArbeitgehtaufeinForschungsprojektzurpartiellenKoreferenzimSpanischenzurück, das aus den Studien zm Spanischen in Katalonien (s. Sinner 2004) hervorgegangen ist und das ich seit 1998 zuerst an der Unievrsität Potsdam, dann an der Humboldt-Universität zu Berlin und zuletzt seit 2008 an der Universität Leipzig betreibe. Überlegungen zur partiellen Koreferenz habe ich bereits auf dem VI Congreso de Lingüística Hispánica in Leipzig im Herbst 2003 und eine frühere Version dieser Arbeit im Rahmen der Ringvorlesung Lingüística española contemporánea. Enfoques y soluciones am 5. Mai 2005 an der Humboldt-Universität zu Berlin vorgestellt. Ich danke den Teilnehmern dieser Veranstaltungen, insbesondere Katja Ploog und Nicole Delbecque sowie Patrick Steinkrüger, Dan Van Raemdonck, Luis García Fernández, Silvia Ramírez Gelbes und Gerd Wotjak für die Diskussion meiner Überlegungen und einiger der Beispiele. Ein Teil der Ausführungen in Abschnitt 4 sind im Frühjahr 2007 zusammen mit Luis García Fernández während seines Forschungsaufenthaltes in Berlin, während dem er an meinem Projekt zur Partiellen Koreferenz in Spanien mitgearbeitet hat, formuliert worden; ich danke ihm dafür.

2 In der Bindungstheorie unterscheidet man Typen nominaler Ausdrücke mit verschiedenen Bindungseigenschaften. Nach PrinzipAmüssen reziproke und reflexive nominaleAusdrücke und Spuren von Nominalphrasen mit der Merkmalskennzeichnung [+anaphorisch, – pronominal] im Bereich der sie regierenden Kategorien gebunden sein; Prinzip B besagt, dass pronominale Ausdrücke wie Personalpronomen im Bereich der sie regierenden Kategorie frei sind, also anaphorisch oder deiktisch interpretierbar; Prinzip C schließlich sieht vor, dass referierende Ausdrücke wie beispielsweise Namen in allen Positionen ungebunden sind, also deiktisch interpretiert werden müssen; cf. Fries (2006).

3 Diese Unterscheidung zwischen Akzeptabilität und Grammatikalität ist bemerkenswert, da Chomsky ursprünglich Akzeptabilität als Kriterium der Grammatikalität ansah (Chomsky 1957: 15–16). Vgl. Sinner (2004: 99–104) für eine Beschreibung und Diskussion von Entwicklung und Gebrauch der Chomskyschen Dichotomie und die terminologischen Schwierigkeiten, die durch die vielfachen abweichenden Übersetzungen und die Richtungs- und Meinungswechsel Chomskys im Hinblick auf Grammatikalität und Akzeptabilität aufgetreten sind.

4 Es soll hier nicht ohne Vorbehalte mit Sternchen gekennzeichnet werden, welche Strukturen als ungrammatikalisch angesehen werden, weil bei manchen von anderen Autoren so gekennzeichneten Strukturen nach eigenen Beobachtungen der gesprochenen und zum Teil auch geschriebenen Sprache nicht sicher erscheint, inwiefern tatsächlich von ungrammatikalischen Strukturen auszugehen ist; um keine fragwürdigen Urteile über die Grammatikalität von Strukturen zu übernehmen bzw. weiterzutragen, werden die Sternchen außer bei den in Befragungen und in der Fachliteratur gleichermaßen abgelehnten Äußerungen in Klammern gesetzt.

5 S. hierzu auch Sinner (2005).

6 Weder in den Korpusanalysen noch in den Befragungen konnten wir einen Hinweis auf diese Interpretation finden. Entsprechend wird die Kennzeichnung mit Sternchen hier nicht in Klammern gesetzt.

7 Der Versuch der Verdeutlichung und Klassifizierung der partiellen Koreferenz anhand der – etwas naiv anmutenden – Zeichnungen illustriert zugleich auch die Veränderung der Art und Weise der Darstellung der partiellen Koreferenz (die heute durch die Indizierung stark vereinfacht wird) und ist somit auch aus Sicht der Historiographie der Syntaxbeschreibung sehr interessant.

8 Muller (1986) untersucht die Kombinationen je (ne) nous, tu (ne) nous, nous (ne) nous y vous (ne) nous in der französischsprachigen Literatur und stellt fest, dass es sich keineswegs um Konstruktionen handelt, die auf keinen Fall verwendet werden können.

9 Die Autorin nennt den Titel von Lasnik (1989a) mit der Paginierung von Lasnik (1989b), so dass unklar ist, welche der Arbeiten sie eingesehen hat.

10 Unklar ist allerdings, ob die Verfasserin eine universelle Grammatikregel ansetzt, denn für das Spanische gibt sie bis auf García Calvo keine Belege. Das Vorliegen von partieller Koreferenz in einer langen Reihe von europäischen Sprachen ist nicht zu bestreiten (vgl. Sinner 2005).
11 Zur Unterscheidung von formeller und intuitiver Akzeptabilität s. Sinner (2004: 99–104).

12 Die genaue Vorgehensweise, die Rechtfertigung der Methodologie und die Diskussion der Ergebnisse findet sich ausführlich dargelegt in Sinner (2004: 153–159).

13 Die Berücksichtigung des Satzes mit saber in ihrem Fragebogen erstaunt um so mehr, als die Autorin selbst die beiden Verben klar unterscheidet und neben ihrer inhaltlichen auch eine aspektuelle Opposition hervorhebt.

14 ''I propose is [sic] that clitic pronominals are in fact a form of agreement, differing from verbal agreement only in whether the functional content is realized as the morphology of a phrase or a word'' (Anderson 2004: 11).

15 Angesichts nicht zu konstatierender, da offensichtlich nicht möglicher partieller Koreferenz in der dritten Person sind hier Überlegungen zur Frequenz hinfällig. Die Nichtverständlichkeit von partieller Koreferenz in der 3. Person, selbst wenn ein Sprecher es damit versuchen sollte, führt angesichts der Konversationsmaxime <Drücke dich verständlich aus> automatisch zu Unterlassen weiterer Versuche, da – anders als bei den Beispielen er macht uns einen Kaffee vs. er macht einen Kaffee für uns, wo möglicherweise affektive Konnotationen gegeben sind – kein Vorteil gegenüber einem Ausdruck ohne partielle Koreferenz, der immer eindeutig ausfallen wird, erzielt werden kann.

16 Zu den Besonderheiten der faktitiven Konstruktionen mit hacer wie in nos hago castigar s. Sinner/Van Raemdonck (2005).

17 Die analysierten Schulbücher sind allerdings v. a. auf ein spielerisches Erlernen der Sprache ausgerichtet und enthalten innerhalb der einzelnen Lektionen so gut wie keine grammatikalischen Übersichten, in denen sich Beispielsätze mit den Pronomen finden könnten. So erscheint eine vollständige Liste der Objektpronomen in LíneaAmarilla 1 (Klett, 2006) nur in der Vokabelliste im Anhang, in Encuentros 1 (Cornelsen, 2007), Caminos plus 1 (Klett, 2007) und Puente 1 (Diesterweg, 1993) in einem Grammatik-Resümee am Ende jeder Lektion. Dabei wird jeweils höchstens ein Beispielsatz zu jedem Pronomen gegeben. Auch bei der Übersicht über die Verwendung von zwei Pronomen in einem Satz werden nicht alle Kombinationen aufgeführt, sondern nur die mit se + Pronomen (Línea Amarilla 2) oder me, te, se, os + lo/la (Puente 1), so dass schon aufgrund dieses Mangels an Beispielen keine Konstruktionen der Art nos lo hago zu erwarten waren. Anzumerken ist, dass ein Teil der Autorenteams immer aus Muttersprachlern des Spanischen besteht, so bei Línea Amarilla 1+2 (6/13), Encuentros 1 (1/4), Puente 1+2 (2/3) und Caminos plus 1 (4/7).

18 Das Lehrwerk ist auch in Buchform verfügbar, kann jedoch nur über die Webseite www. spanisch-lehrbuch.de erworben werden.

19 Zur Unterscheidung zwischen (subjektiven) Schwierigkeiten in der Übersetzung, die mit der Kompetenz des Übersetzers zu tun haben, und (objektiven) Problemen der Übersetzung, die auf der Übersetzung an sich beruhen und z. B. mit den sprachlichen Strukturen zu tun haben, siehe Nord (1999: 352).

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